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Beratung für Unternehmen

Eine neue Sicht

Die heutige Sicht auf Unternehmen und die Betriebswirtschaft an sich speisen sich aus der Annahme, dass zusammengetragenes, analysiertes und strukturiertes Wissen über die Handlung von erfolgreichen Kaufleuten und Unternehmern den Erfolg planbar und für andere dementsprechend wiederholbar mache. Dabei wird das lebendige Element, der handelnde Mensch, abstrahiert und – ceteris paribus – als gleich bzw. austauschbar angenommen. Ähnlich wie in der Medizin entscheidet alleine die Messbarkeit darüber, was Eingang in den Tenor der Erfolgslehre findet. Dabei wird in nahezu allen Bereichen eines Unternehmens eine Mechanik als Gesetzmäßigkeit unterstellt, die Erfolg als zwangsläufiges Ergebnis (Wirkung) einer definierten, wiederholten und gleichmäßigen Anstrengung (Ursache) beschreibt. Und alle nicken bei ihren Quartalsberichten und Vertriebsplanungen beifällig, ob des wiederkehrenden Wahnsinns der Profitmaximierung unter immer neuen Namen und stöhnen ob der leider menschlichen und damit nicht planbaren Variablen.

Diese Sichtweise ist nicht nur irre und federführend für die katastrophale Lage der Welt, sie ist in nahezu allen Punkten inkonsistent und dumm:

  1. Eine Situation besteht nicht aus der Menge der analytisch erfassbaren Dinge, die in ihr auftauchen. Sie entsteht aus den Handlungen, dem Zusammenspiel von menschlichen Absichten, Träumen, Begierden, Zwängen, Notwendigkeiten, Glaubenssätzen, Erfahrungen und natürlichen Begebenheiten. Sie fällt sicherlich nicht vom Himmel, doch ist sie genauso wenig das lineare Ergebnis menschlicher Planung. Die Ingredienzen sind keine variablen Zutaten, sie sind die Situation selbst.
  2. Daneben gilt die Annahme, es gäbe eine objektive Realität in dem Sinne, dass ein Phänomen unabhängig vom Betrachter existiert, seit mehr als hundert Jahren als widerlegt – durch die Wissenschaft. Phänomen und Beobachter stehen in einem Zusammenhang, der eine Logik jenseits der oberflächlichen Mechanik aufweist. Möglicherweise ist die Erwartung selbst die Ursache, die die Dinge in Gang setzt. Inwieweit dieser Zusammenhang ursächlich für eine einzutretende Situation ist, wäre also zu klären, jedoch ist er mit Sicherheit nicht zu vernachlässigen.
  3. Die kognitive Wahrnehmung und rationale Erklärung hat nicht den Anspruch eine komplette Beschreibung zu liefern, sie ist nur der uns bewusste Teil der Realität. Die Beschreibung des Wahrgenommen in Worten, Zahlen oder Bildern kann niemals die Wirklichkeit ausreichend beschreiben, sie ist nur der Versuch, komplexe Vorgänge schrittweise bewusst zu machen. So wenig wie Foto einen Augenblick wiedergibt, so wenig können Formeln oder Sätze die Wirklichkeit wiedergeben. Jeder wissenschaftliche Ansatz ist immer eine Vereinfachung der Wirklichkeit; Schlussfolgerungen aus der subjektiven Beobachtung selbst als abschließende, allgemeingütige Wahrheit zu benennen, ist Irrsinn. Die Existenz nicht sofort zugänglicher Ebenen der Realität zu verneinen, nur weil sie nicht eindeutig erfasst werden können, ist zudem ignorant und unwissenschaftlich.
  4. Jede Situation ist einmalig, weil jeder Moment nur einmal existiert. Eine Normung der Realität geht fehl, weil es unterstellt, dass sich alles wiederholt. Wir unterstellen einen Status Quo, den es in der Natur nicht gibt. Dort ist die einzige Konstante die Veränderung. Demnach ist eine Kopie unmöglich, es gibt nur Originale. Jede Handlung ist demnach ein Aufbruch ins Unbekannte, jeder inspirierende Gedanke wird erstmalsg gedacht, egal auf was oder wen er fusst.
  5. Wir neigen dazu, Erfolg an der Erreichung bzw. Nicht-Erreichung unserer Ziele zu objektivieren. Das tun wir bei vollkommener Unwissenheit der Zukunft, so dass unsere Urteile immer unter der Prämisse stattfinden, dass der Eintritt des gewünschten Ereignisses der bestmögliche Erfolg wäre. Jeder kennt jedoch aus Erfahrung zahlreiche Gelegenheiten im eigenen Leben, wo das Ausbleiben eines erwünschten Ereignisses nachträglich der größtmögliche Erfolg war.

Wir fassen zusammen: Über die empfundene Notwendigkeit in einer ungewissen Zukunft erfolgreich zu agieren, vereinfachen wir die Wirklichkeit in eine beobachtbare objektive Realität, deren Lücken wir durch eigene Annahmen schließen. Die vereinfachte Realität dient uns als wahrhaftiger Studiengegenstand, Abweichungen von der Planwirklichkeit werden als Ausnahmen deklariert, die aber die grundsätzliche Aussage nicht in Frage stellen. Hiernach nehmen wir diese Aussagen als die Wahrheit selbst an, und beginnen auf diesen Hypothesen Gebäude zu errichten. Wir erachten Erfolg als das Ergebnis unserer Planung und Misserfolg als Versäumnis und Unwissen. Wir erschaffen eines eindimensionale Wirklichkeit und fordern von den Menschen sich anzupassen, zu funktionieren.

Wussten Sie, dass seitdem es Wirtschaftsweise in Deutschland gibt, deren Prognose kaum jemals wirklich zutraf? Trotzdem gilt dieser Ausschuss als hochangesehen.
Wussten Sie, dass Unternehmensberater zwar oft den tatsächlichen Grund eines Scheiterns des Unternehmens kennen, diesen jedoch genauso oft nicht mitteilen, weil er unmittelbar Ihre Auftraggeber betrifft und den Folgeauftrag gefährdet? Dann lieber sanieren, reduzieren, objektivieren und Tabellen drucken.
Wussten Sie, dass australische Forscher vor einigen Jahren tatsächlich erkannt haben, dass der Durstreflex des Körpers tatsächlich funktioniert?

Der Irrsinn hat Methode. Wir haben die gerechtfertigte Suche nach Erkenntnis und die Erringung menschlicher Vernunft gegen die Tyrannei des Verstandes und der Besserwisserei eingetauscht. Wir sind soweit, dass wir sogar körperliche Funktionen anzweifeln, wenn der Verstand sie nicht in seiner Sicht bestätigt, und stellen unsere eigene Wahrnehmung in Frage, obwohl wir diese direkt erleben.

Mit anderen Worten: Wir denken nur noch unser Leben und leben nicht mehr. Und wenn das Leben nicht den Gedanken entspricht, dann zweifeln wir das Leben an, aber nicht die Gedanken.

Und diese Hybris des Verstandes leben wir in der Wirtschaft gnadenlos aus. Zahlen sind wichtiger als Menschen, Umsatz wichtiger als Qualität, Profit wichtiger als die Zufriedenheit der Kunden. Variation ist jetzt Innovation, Planung heisst jetzt Design Thinking und Steuerhinterziehung Governance. Menschen sind Human Resources, Kapital ist sinnstiftend und Konsum ist Religion. In der

Schluss damit!

Unternehmen sind keine leblosen, rechtlichen Gebilde, nein, sie sind tatsächlich Organismen, die aus den Absichten, Gedanken, Taten und Gefühlen der beteiligten Menschen bestehen. Sie beziehen ihre Berechtigung zu existieren nicht aus der Transaktionstheorie über die Preisbildung im Markt sondern aus dem Gründungsimpuls des Unternehmers, der Arbeit, der Hingabe ihrer Mitarbeiter und des Interesses der Kunden an den Produkten. Ein technisch identisches Produkt kann aufgrund der unterschiedlichen Einstellung der es herstellenden Menschen vollkommen unterschiedlich sein.

Montagsautos sind ein Beispiel dafür, die Mittagessen in der Kantine von unterschiedlichen Köchen zubereitet, ein weiteres.

Unternehmen leben, Produkte leben – wenn sie durch die Hände von Menschen gehen. Deshalb fühlen Menschen den Unterschied, ob ein Produkt maschinell oder handwerklich hergestellt wurde.

Wir von kairos vermuten, dass alles auf der Welt wesenhaft ist, eine Seele hat.